Konzept der Kindertagesstätte Waldblick in Xanten
Ziel unserer Arbeit sind die individuelle Entwicklung und Förderung des Kindes in Bezug zu seinem sozialen Umfeld sowie umfassende Beratung und Information der Erziehungsberechtigten.
Im Mittelpunkt unseres Kita-Alltags steht das Miteinander von Kindern mit und ohne Behinderungen. Kinder im Kindergartenalter gehen sehr unkompliziert miteinander um, sie gehen aufeinander zu und zeigen eine natürliche Neugierde. Gerade in diesem Alter ist es wichtig, die Vielfältigkeit des Menschen zu erfahren, seine unterschiedlichen Begabungen, Einschränkungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten kennen zu lernen.
In unserer pädagogischen Arbeit fördern wir die Ganzheitlichkeit der Kinder, was eine differenzierte Beobachtung voraussetzt, denn jedes Kind hat seinen individuellen Entwicklungstand und sein eigenes Entwicklungstempo. Wir erstellen einen Rahmenplan zu verschiedenen Themen aus der Umwelt des Kindes, der von den einzelnen Gruppen individuell erarbeitet wird.
Die Kinder erlernen im Gruppenalltag lebenspraktische Fähigkeiten. Durch eine gezielte Anleitung erlangen die Kinder eine größtmögliche Selbstständigkeit, die ihnen ein weitgehend selbst bestimmtes Leben ermöglicht.
Unser ausführliches Konzept stellen wir Ihnen gerne als PDF-Datei und nachfolgend "zum Durchklicken" zur Verfügung.
Als Orientierungs- und Nachschlagehilfe zu Themen wie z. B. Abholerlaubnis, Allergien, Eingewöhnung, gemeinsames Frühstück, Gruppenkasse, Medikamente, Öffnungszeiten u. v. m. können Sie auch unser Kita-ABC als PDF
herunterladen.
Für Fragen stehen wir Ihnen selbstverständlich gern zur Verfügung!
Inhaltsverzeichnis
1. RAHMENBEDINGUNGEN
1.1. Träger
1.2. Gesetzliche Grundlagen
1.3. Einzugsbereich
1.4. Aufnahmeverfahren
1.5. Finanzierung
1.6. Elternmitwirkung / Elternrat / Rat der Einrichtung
1.7. Personelle Besetzung
1.8. Gruppenzusammensetzung
1.9. Betreuungszeiten
1.10. Räumliche Gestaltung und Außengelände
2. KINDERTAGESSTÄTTE FÜR ALLE: VORTEILE UND CHANCEN
2.1. Integrationsförderung
2.2. Entwicklungsförderung
2.1.1. Erziehung zur größtmöglichen Selbständigkeit
2.1.2. Wahrnehmungsförderung
2.1.3. Bewegungsförderung
2.2. Bildungsarbeit
2.2.1. Bereich Bewegung:
2.2.2. Spielen, Gestalten, Medien:
2.2.3. Sprache:
2.2.4. Natur u. kulturelle Umwelt:
2.2.5. Bildungsdokumentation
2.2.6. Zusammenarbeit mit der Grundschule
3. KONZEPT DER GRUPPENARBEIT
3.1. Das Freispiel
3.2. Kreative Angebote
3.3. Rollenspiele
3.4. Regelspiele
3.5. Konstruktionsspiele
3.6. Spielmöglichkeiten im Nebenraum
3.7. Das gezielte Angebot
3.8. Tagesablauf
3.9. Angebote im Wochenablauf
3.9.1. Das Vorschulprojekt
3.9.2. Das Waldprojekt
4. THERAPEUTISCHE ANGEBOTE
4.1. Therapien im Tagesablauf
4.2. Konzeption der Psychomotorik und Motopädie
4.3. Konzeption der Sprachtherapie
4.4. Sprachtherapeutische Projekte
4.5. Krankengymnastik 4.6. Indirekte kindbezogene Leistungen der Therapeuten
5. TEAMARBEIT
5.1. Allgemeine Teambesprechung
5.2. Pädagogisch-Therapeutische Teambesprechung
5.3. Gruppenbesprechungen
5.4. Besprechung im Therapeutenteam
6. ELTERNARBEIT
6.1. Elterngespräche
6.2. Einbeziehung der Eltern in den Tagesablauf / Hospitationen
6.3. Elternabende/ Elternnachmittage
6.4. Feste und Feiern
6.5. Elternmitwirkung in Gremien
6.6. Förderverein
7. SCHLUSSWORT
1. Rahmenbedingungen
1.1. Träger
Der Träger der Integrativen und Heilpädagogischen Kindertagesstätte ist der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung Unterer Niederrhein e. V. mit Sitz in Rees-Groin.
1.2. Gesetzliche Grundlagen
Die rechtlichen Grundlagen sind im Kinderbildungsgesetz (KiBiz) des Landes NRW festgelegt. Diese sind in der Kindertagesstätte einzusehen, oder können beim Ministerium für Frauen, Jugend, Familie und Gesundheit des Landes NRW angefordert werden. Die Integrative und Heilpädagogische Kindertagesstätte ist eine sozialpädagogische Einrichtung, die neben der Betreuungsaufgabe einen eigenständigen Erziehungsund Bildungsauftrag hat. Sie hat eine familienergänzende, unterstützende und entlastende Funktion. Im Vordergrund der Arbeit in Kindertagesseinrichtungen steht die individuelle Entwicklung und Förderung des Kindes in Bezug zu seinem sozialen Umfeld, des weiteren Beratung und Information der Erziehungsberechtigten. Die Eltern können im Rahmen der gesetzlichen Bestimmungen mitwirken. Es werden Kinder vom vollendeten dritten Lebensjahr bis zum Beginn der Schulpflicht aufgenommen. Integrative Kindertagesstätten sind rechtlich als Einrichtung der Jugendhilfe zu sehen, in denen behinderte und von Behinderung bedrohten Kindern zugleich Eingliederungshilfe gem. §§ 39 ff. BSHG gewährt wird. Nach dem BSHG werden Kinder gefördert, die eine geistige-, eine körperliche-, eine Sinnes- oder eine soziale Behinderung haben, Kinder mit Entwicklungsstörungen im motorischen- und im sprachlichen Bereich und Kinder, die Verhaltensproblematiken aufweisen.
1.3. Einzugsbereich
Der Einzugsbereich der Einrichtung ist der Großraum Xanten. Die Kinder mit einem
besonderen Förderbedarf kommen aus dem Einzugsbereich, Xanten, Sonsbeck Alpen.
1.4. Aufnahmeverfahren
Aufzunehmende Kinder können während des Kindergartenjahres bei der Leiterin angemeldet werden. Die Eltern werden bei der Anmeldung über das pädagogische
Konzept informiert und haben die Möglichkeit, die Einrichtung zu besichtigen. Die
Kriterien, die für eine Aufnahme eines Kindes zutreffen, werden im Rat der Einrichtung beschlossen. Die Eltern der behinderten oder von Behinderung bedrohter Kinder, stellen bei ihrem örtlichen Sozialamt einen Antrag auf Eingliederungshilfe nach dem Bundessozialhilfegesetz SGB 12, damit die entstehenden Betreuungskosten im Rahmen der Eingliederungshilfe übernommen werden.
1.5. Finanzierung
Die Kosten für den Kindertagesstätten- bzw. Kindergartenplatz sind gesetzlich festgelegt, sie sind einkommensabhängig. Für behinderte und von Behinderung bedrohte Kinder in den integrativen Gruppen und der heilpädagogischen Gruppe entstehen den Eltern keine Betreuungskosten, da die Finanzierung vom Landschaftsverband Rheinland (LVR) nach dem SGB 12 getragen wird. Für das eingenommene Mittagessen wird ein zusätzlicher Betrag entrichtet. Monatlich wird ein Betrag für die Gruppenkasse eingesammelt, von dem z. B. das gemeinsame Frühstück finanziert wird.
1.6. Elternmitwirkung/Elternrat/Rat der Einrichtung
In der Integrativen und Heilpädagogischen Kindertagesstätte gelten die gesetzlichen Bestimmungen über die Elternmitwirkung und den Elternrat (§ 6 GTK). Zum Beginn eines neuen Kindergartenjahres wird eine Vollversammlung der Eltern einberufen, aus der heraus der Elternrat gewählt wird. Diese wählen aus ihren Mitgliedern einen Vorsitzende und einen Stellvertreter, die dem Elternbeirat der Lebenshilfe angehören. Der Elternrat, die pädagogischen Mitarbeiter und ein Vertreter des Trägers bilden den Rat der Einrichtung.
1.7. Personelle Besetzung
Die Leiterin (Heilpädagogin) ist von der Gruppenarbeit freigestellt. In jeder Gruppe
sind jeweils eine Gruppenleiterin (Heilpädagogin) und eine Zweitkraft (Erzieherin)
tätig. Zusätzlich zu einer gruppenübergreifenden Kraft sind zeitweise Anerkennungspraktikantinnen, Vorpraktikantinnen und Integrationshelfer in der Einrichtung beschäftigt. Für die therapeutische Arbeit in der Kindertagesstätte sind zwei Motopäden und drei Sprachtherapeuten in Teilzeit angestellt.
Die hauswirtschaftlichen Tätigkeiten werden von Haushaltshilfen durchgeführt.
1.8. Gruppenzusammensetzung
Die Integrative und Heilpädagogische Kindertagesstätte „Waldblick“ ist eine
dreigruppige Einrichtung. Sie besteht aus zwei integrativen Gruppen, die jeweils von 15 Kindern besucht werden. Fünf Kinder aus jeder Gruppe sind entwicklungsverzögert, entwicklungsgestört oder behindert. Die heilpädagogische Gruppe wird von acht Kindern mit einer Entwicklungsauffälligkeit oder Behinderung besucht.
1.9. Betreuungszeiten
Die Öffnungszeiten werden durch den Träger nach Anhörung des Elternrates festgelegt und zu jedem neuen Kindergartenjahr nach den Bedürfnissen der Erziehungsberechtigten neu überprüft. Die Integrative und Heilpädagogische Kindertagesstätte ist zurzeit täglich von 7:15 Uhr bis 16:15 Uhr geöffnet.
Wir bieten eine 45-stündige und 35-stündige Betreuungszeit an. Da wir eine Tagesstätte sind werden die Anmeldungen für eine 45-stündige Betreuungszeit vorrangig bedient.
1.10. Räumliche Gestaltung und Außengelände
Jede Gruppe verfügt über einen Gruppenraum und einen Nebenraum, der den Kindern viele Möglichkeiten zum Spielen, zum Verkleiden, zum Experimentieren, zum Toben und zum Zurückziehen gibt. In den Gruppenraum ist eine Kinderküche integriert. Direkt vom Gruppenraum gelangt man in den Wasch- raum und in die Toilette mit Wickelmöglichkeit und Dusche. Die Innengestaltung der Einrichtung ist abhängig vom jeweiligen Thema. Sie ist klar und übersichtlich, um die Kinder nicht mit visuellen Eindrücken zu überhäufen. Die Einrichtung verfügt über einen Therapieraum für Sprachtherapie und heilpädagogische Förderung und einen großen Turnraum. Im Turnraum finden Gruppen- Bewegungsangebote, motopädische Förderung, und Psychomotorik statt. Weiterhin wird die Turnhalle für gemeinschaftliche Veranstaltungen genutzt. In der Einrichtung wird der Flurbereich zum Spielen und für Klein- gruppenarbeit genutzt. Im Nachbargebäude befindet sich die heilpädagogische Gruppe sie verfügt über einen separaten Eingang. Die heilpädagogische Gruppe hat einen familiären Wohncharakter mit einem großen Gruppenraum, ein Raum für sprachtherapeutische und heilpädagogische Angebote sowie ein Bewegungsraum. Eine Küche, wie auch Toilettenräume sind dort vorhanden. Die Turnhalle und das Außengelände werden gemeinsam genutzt. Im Mitarbeiterraum, der den Mitarbeitern zur Vorbereitung dient, finden auch kleinere Versammlungen statt. Das Büro bietet Raum für Eltern- gespräche. Eine Küche, in der das Essen für die Gruppen portionsgerecht verteilt wird, befindet sich ebenfalls im Gebäude. Die Einrichtung hat ein großes eingezäuntes Außengelände, auf dem sich den Kindern viele Spielmöglichkeiten bieten, die auch behinderten Kindern gerecht werden. Das Gelände lädt ein zu Laufspielen, zu Versteckspielen in den Sträuchern, zum Rädchen fahren, zum Rollerfahren, usw. Ein großer Sandkasten mit einem Klettergerüst und einer Rutsche bietet viele Spielmöglichkeiten.
2. Kindertagesstätte für alle: Vorteile und Chance
Für alle Kinder und auch für die Eltern ist die integrative Arbeit eine Bereicherung. Aufgrund der kleinen Gruppen, der guten personellen Besetzung, und durch die verschiedenen fachlich orientierten Ausbildungen der Mitarbeiter können die Kinder besser in ihrer Entwicklung begleitet werden. Hier finden alle Kinder einen Spiel-, Lern- und Lebensraum. Um dies zu ermöglichen haben wir folgende Grundsätze aufgestellt:
- Akzeptieren und Annehmen des Kindes
- Integration des Kindes in den Gruppenalltag
- das Kind mit seinen Bedürfnissen und Eigenarten ernst nehmen
- ein liebevoller und partnerschaftlicher Umgang miteinander
- Achtung des Kindes in seiner Persönlichkeit
Wir orientieren uns an dem ganzheitlich situativen Ansatz, um so den Bedürfnissen der Kinder gerecht werden zu können.Ganzheitlich bedeutet den Menschen mit seinem Körper, seinem Geist und seiner Seele zu sehen. Bewegung, Sprache, Sprechen, Körpererfahrung, Kognition und Gefühle gehören zu der Ganzheit, die den Menschen ausmacht. Alle diese Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. In unserer pädagogischen Arbeit fördern wir die Ganzheitlichkeit der Kinder, was eine differenzierte Beobachtung voraussetzt, denn jedes Kind hat seinen individuellen Entwicklungstand und sein eigenes Entwicklungstempo. Wir erstellen einen Rahmenplan zu verschiedenen Themen aus der Umwelt des Kindes, der von den einzelnen Gruppen individuell erarbeitet wird. Unter dem situativen Ansatz verstehen wir, dass Themen aus dem Alltag der Kinder aufgegriffen und mit ihnen gemeinsam erarbeitet und weiterentwickelt werden.
2.1. Integrationsförderung
Im Mittelpunkt unserer Arbeit steht das Miteinander von behinderten und nicht behinderten Kindern. Kinder im Kindergartenalter gehen sehr unkompliziert miteinander um, sie gehen aufeinander zu und zeigen eine natürliche Neugierde. Gerade in diesem Alter ist es wichtig, die Vielfältigkeit des Menschen zu erfahren, seine unterschiedlichen Begabungen, Einschränkungen, Fähigkeiten und Fertigkeiten kennen zu lernen.
Jedes Kind, sei es regelentwickelt, entwicklungsverzögert, oder in irgendeiner Form behindert, ist einmalig in seiner Persönlichkeit. Integration ist für uns vor allem eine Lebenseinstellung, von der sich unser pädagogisches Konzept ableitet.
Die Sozialentwicklung wird durch die Gemeinschaft in der Gruppe gefördert. Die Kinder werden zur gegenseitigen Rücksichtsnahme und Achtung füreinander angeleitet. Im gemeinsamen Spiel bereichern sie sich gegenseitig und können miteinander und voneinander lernen.
Die Kinder werden zur Mitmenschlichkeit, zum Verantwortungsbewusstsein und zur angemessenen Kritikfähigkeit erzogen. So helfen die älteren und selbstständigen Kinder den jüngeren z. B. beim Durchführen von Ideen, Aufräumen, Malen, An- und Ausziehen usw. Ihre Kinder finden bei uns eine entspannte Atmosphäre vor, nicht die egoistische Suche nach Wegen, wie man der Beste sein kann, prägt die Grundstimmung, sondern ein partnerschaftliches Miteinander, in die sich alle mit ihrer individuellen Persönlichkeit eingeben können. In einer angstfreien, entspannten Atmosphäre kann sich jeder seinen Möglichkeiten entsprechend entwickeln. Wir schaffen in unserem Tagesablauf Strukturen und Rituale, die den Kindern die Sicherheit geben, die sie für eine gute Entwicklung all ihrer Fähigkeiten benötigen.
2.2. Entwicklungsförderung
„Leben ist nicht genug“ sagte der Schmetterling „ich brauche Freiheit, Sonne
und eine kleine Blume“ Zitat
Jedes Kind, jeder Mensch hat den Drang sich zu entfalten, sich zu entwickeln und zu reifen. Ein Kind braucht Zuwendung, es braucht die Einbindung in die Familie und in seine Gruppe, es braucht Bildung und Erziehung, es braucht Anerkennung. Es muss sich bewegen können, es benötigt Raum und Zeit, um zu einer Persönlichkeit heranzureifen.
In unserer Arbeit mit den Kindern handeln wir danach. Wir arbeiten im interdisziplinären Team, dies bedeutet, Pädagogen und Therapeuten arbeiten gemeinsam zum Wohl des Kindes. Entwicklungsgestörte und behinderte Kinder werden durch zusätzliche Therapien ihren Bedürfnissen entsprechend gefördert. Es werden Sprachtherapie, sensorische Integrationsförderung, Heilpädagogik und Psychomotorik angeboten. Dabei wird der Integrations-gedanke sehr stark berücksichtigt. Auch nicht behinderte Kinder werden in diese Angebote einbezogen. Es werden Projekte mit den Kindern durchgeführt, die an der Bedürfnis- und Erlebniswelt der Kinder angepasst sind. Zum Beispiel orientieren sich die Projektthemen an Jahreszeiten oder an aktuellen Themen, wie die Geburt eines Geschwisterkindes, der baldige Schuleintritt usw. Die pädagogische Arbeit wird thematisch auf die ganze Gruppe bezogen, wobei aber nach Fähigkeiten und Entwicklungsstand der einzelnen Kinder differenziert wird. Das bedeutet, es gibt viele Wege um ein Ziel zu erreichen und jeder begibt sich auf seinen individuellen Weg. Das setzt eine gute Beobachtungsgabe bei den einzelnen pädagogischen Mitarbeitern voraus.
2.1.1. Erziehung zur größtmöglichen Selbständigkeit
Die Kinder erlernen im Gruppenalltag lebenspraktische Fähigkeiten. Durch eine gezielte Anleitung erlangen die Kinder eine großmöglichste Selbstständigkeit, die ihnen ein weitgehend selbst bestimmtes Leben ermöglicht. Neben den hauswirtschaftlichen Angeboten helfen die Kinder beim Tisch decken und bei den Frühstücksvorbereitungen. Ebenso leiten wir sie zum selbständigen Handeln an, wie z. B. das An- und Ausziehen, den Toilettengang, den Umgang mit Messer und Gabel.
2.1.2. Wahrnehmungsförderung
Die Förderung der Wahrnehmung ist ein Prozess, bei dem sich das Kind aktiv mit seiner Umwelt auseinandersetzt, sie sich aneignet und beeinflusst. Um eine gute Grundlage für späteres Lernen zu legen, geben wir den Kindern die Möglichkeit, selbst auszuprobieren, zu experimentieren. Dies betrifft alle Bereiche wie kreatives Gestalten, musische Fähigkeiten, Bewegung, Körpererfahrung, sowie lebenspraktische, kognitive und sprachliche Fähigkeiten. Durch unsere auf die Natur bezogenen Projekte, insbesondere die in der Konzeption fest verankerten Waldaktivitäten, erfahren die Kinder den sensiblen und bewussten Umgang mit der Natur. Die Kinder benötigen viel Zeit zum Erforschen, zum Staunen, zum Selbermachen und um Zusammenhänge zu begreifen. Die Neugierde der Kinder wird durch gezielte Wahrnehmungsförderung geweckt, denn dies ist der „Motor“ der Entwicklung.
2.1.3. Bewegungsförderung
Die Freude an der Bewegung, die in jedem Menschen vorhanden ist, wird durch die moderne Lebensweise häufig eingeschränkt, dies führt zu Fehlentwicklungen. In der Bewegung erlebt und erfährt das Kind sich selbst. Es entwickelt motorische Grundfähigkeiten und seine Aktivität wird gefördert. Es erlernt auf spielerische Art und Weise Bewegungsabläufe und lernt verschiedene Materialien kennen. Dabei werden Grobund Feinmotorik, Konzentration, Handlungsplanung, Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen geschult. Über Bewegung und Spiel nimmt das Kind die Welt verschiedenartig wahr und es findet Entwicklung statt. Es entdeckt über die Vielfältigkeit der Bewegungserlebnisse seinen Körper. Dies ist die Voraussetzung zur Entwicklung der eigenen Identität.
In diesem Sinne bieten wir neben dem wöchentlichen Turnen, gruppenübergreifende Angebote, wie Waldlauf und Motorikgruppen an.
2.2. Bildungsarbeit
Kinder lernen vom Zeitpunkt ihrer Geburt (und schon vorher). Sie sind von Anfang an aktive Wesen, die sich durch ihr Tun und die Erfahrungen, die sie machen, die Umwelt aneignen. Die Bildung in unserer Kindertagesstätte umfasst eine altersgerechte und individuelle Förderung:
- die Vermittlung von Grundkompetenzen, wie z. B. Bedürfnisse äußern, respektvolle Umgangsformen und Einfühlungsvermögen den anderen Kindern gegenüber,
- die Unterstützung in der Persönlichkeitsbildung, wie z. B. sich selbst wahrnehmen mit all den Wünschen Bedürfnissen, Grenzen, Zu- und Abneigungen,
- die Förderung der Lust zu Lernen und die Fähigkeit dazu Neues zu entdecken, in dem wir in vielen Bereichen wie Musik, Bewegung, Sprachen, Naturwissenschaft etc. Projekte anbieten.
Unser Bildungsangebot schöpft die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten jedes Kindes aus und bietet (bei Bedarf) kompensatorische Förderung im Gruppenalltag an. Die KiTa „Waldblick“ leistet einen Beitrag zur Chance- ngleichheit, unabhängig von Geschlecht, sozialer und ethnischer Her- kunft und zum Ausgleich individueller und sozialer Benachteiligung. Die Bildungsziele umfassen die Förderung aller Entwicklungsbereiche, insbesondere der sensorischen, motorischen, emotionalen, kreativen, musischen, sozialen, kognitiven, sprachlichen und mathematischen Bereiche. Als Einrichtung der Lebenshilfe legen wir einen besonderen Schwerpunkt auf das soziale Lernen, besonders den Umgang mit Menschen mit Behinderungen und deren Integration. Lernen bedeutet, durch Tun kognitive Abläufe zu verstehen, zu wiederholen und zu speichern. Wir verstehen unsere Kindertagesstätte als Lernwerkstatt, in der Kinder in einem anregungsreichen Umfeld ihre Wissbegierde stillen und dabei Lernstrategien entwickeln.
Die meisten Kinder besuchen die KiTa drei Jahre. Innerhalb dieser Zeit bieten wir den Kinder zu den verschiedenen Themenbereichen folgende Angebote:
2.2.1. Bereich Bewegung:
Materialerfahrung / Koordination des Körpers / Entdeckung und Entwicklung von
Bewegungsformen / Bauen mit verschiedenen Materialien / Angebote im physikalischen Bereich Hebelwirkung, Kraft, Gleichgewicht / Psychomotorische Gruppenangebote / Kooperatives und
konstruktives Handeln (z. B. zusammen etwas zu bauen und dabei Absprachen zu treffen).
2.2.2. Spielen, Gestalten, Medien:
Erfahrungen sammeln mit unterschiedlichen Werkstoffen (z. B. Ton, Holz, Naturmaterialien) / unterschiedliche Bastel- und Maltechniken kennen lernen / Rollenspiele, Kreissingspiele, Gesellschaftsspiele, PC Lernspiele / Einsatz von Medien wie Videokamera, Fotoapparat,
Kassettenrecorder / Bilderbücher uvm.
2.2.3. Sprache:
Hören-Lauschen-Lernen (Vorschulprogramm) / Wortschatz und Wissenserweiterung/ rhythmisch-musikalische Angebote / auditive Angebote (Klanggeschichte, Hörspiele, Fantasiereisen) / Erzählrunden, Rätselrunden, Nacherzählungen, Lesen von Geschichten und Bilderbüchern / Fingerspiele etc.
2.2.4. Natur und kulturelle Umwelt:
Themen zu den Jahresszeiten / kennen lernen der Tier- u. Pflanzenwelt (z. B. Thema Haustiere, Waldprojekt: Welche Tiere u. Pflanzen leben in unserem Wald und in der Umgebung? / Kennen lernen der vier Elemente (Wasser, Feuer, Erde, Luft) / Entstehungsgeschichten wie z. B. „Vom Korn zum Brot“, „Das Leben früher und heute“ etc. / Naturphänomene erklären (z. B. Gewitter, Regen, Regenbogen, Schnee) / Themen erarbeiten, wie andere Länder, andere Kulturen / Berufe Verkehrserziehung / naturwissenschaftliches - logisches Denken: Umgang mit Mengen und Zahlen, Größenverhältnissen, Gewichten / Experimente
Entenland
Programm zur Mathematischen Bildung für Kinder ab dem zweiten Kindergartenjahr. Die Kinder treffen sich einmal wöchentlich ein Jahr lang. Sie werden durch sechs verschiedene Lernfelder an Methoden des Denkens herangeführt, die ihnen helfen Wissen über die Welt aufzubauen und mit ihrem Leben zu verbinden. Die sechs Lernfelder sind:
- Farben und innen/ außen (Sortieren und Orientierung im Raum)
- Formen und Formen in Kombination mit Farben (Sortieren)
- Zählen, Würfeln und Simultanerfassung (Sorieren und Ordnen)
- Räumliche Figuren, Gewichte und oben/unten (Sortieren, Ordnen und Orientierung im Raum)
- Höhen und Längen und vorne/ hinten, rechts/ links (Sortieren, Ordnen und Orientierung im Raum)
- Vorher/ nachher und Jahreszeiten (Orientierung mit der Zeit)
--- Weitere Angebote entnehmen Sie bitte aus Punkt 3 ---
2.2.5. Bildungsdokumentation
Im Einverständnis mit den Eltern wird von jedem Kind ein individuelles Entwicklungsprofil erstellt. Eltern, die diese Dokumentation nicht wünschen oder widerrufen, entstehen keinerlei Nachteil. Die Bildungsdokumentation des Kindes beruht auf Beobachtungen, die auf die Möglichkeiten und auf die individuelle Vielfalt in seinen Handlungen, Vorstellungen, Ideen, Werken, Problemlösungen gerichtet sind o. ä. Die individuelle Beobachtung wird regelmäßig mit den Eltern besprochen. Die Dokumentation wird den Eltern auf Wunsch ausgehändigt. Entwicklungsberichte für behinderte und von Behinderung bedrohter Kinder werden regelmäßig erstellt. Sie dienen als Grundlage für Grobziele und Feinziele, um eine systematische Entwicklungsförderung zu ermöglichen. Informationen über die Dokumentationen dürfen ohne Einwilligung nicht an Dritte weitergegeben werden. Verlässt das Kind die Einrichtung wird die Dokumentation den Erziehungsberechtigten ausgehändigt.
2.2.6. Zusammenarbeit mit der Grundschule
Um den Bildungsprozess in der Schule fortzuführen arbeiten die Tageseinrichtungen und die Grundschulen zusammen.Dies ist geplant durch
- die Vorliegende Entwicklungsdokumentation, die den Erziehungsberechtigen zur Verfügung gestellt wurde,
- Austausch zwischen Schule und Kindertageseinrichtung,
- regelmäßige Besuche und Hospitationen.
3. Konzept der Gruppenarbeit
3.1. Das Freispiel
Das Freispiel hat in der pädagogischen Arbeit einen hohen Stellenwert und nimmt einen großen Zeitraum während des Tages in Anspruch. Es findet im Gruppenraum und auch draußen statt. Im Freispiel werden die unterschiedlichsten Materialien zur Verfügung gestellt, die alle Wahrnehmungsbereiche ansprechen und eine Förderung parallel zur Therapie ermöglichen. Dies bedeutet, dass das Angebot der Spielmaterialien, sowie Spielbereiche flexibel gestaltet werden. Die Kinder sind somit Akteure eines sich ständig verändernden Gruppenprozesses, der auf ihre Bedürfnisse und ihren Entwicklungsstand ausgerichtet ist.

Während des Freispiels stehen den Kindern verschiedene Bereiche zur Verfügung. Zunächst soll die Wichtigkeit der Raumgestaltung dargestellt werden: Durch die Gestaltung der Räumlichkeiten soll eine familiäre Atmosphäre geschaffen werden, die den Kindern ein Gefühl der Geborgenheit vermittelt. Die unterschiedlichen Spielbereiche sind so gestaltet, dass sie den Bedürfnissen der Kinder entsprechen. Dies muss aber wandelbar sein und auf die jeweilige Situation angepasst werden.
3.2. Kreative Angebote
Im Kreativbereich stehen den Kindern verschiedene Materialien zur Verfügung, die das schöpferische Gestalten anregen. Materialien wie z .B. Malstifte, Kleber, Papier, Knete und Naturmaterialien geben den Kindern die Gelegenheit, ihre Kreativität auch ohne Anleitung auszuprobieren und neue Möglichkeiten für sich zu entdecken. In diesem Sinne werden insbesondere die Wahrnehmung, die Feinmotorik und die Auge- Hand Koordination geschult. Angeleitete Angebote im Kreativbereich eröffnen dem Kind wiederum andere Möglichkeiten sich zu entwickeln. Die Umsetzung der Aufgabenstellung erfordert die Bereitschaft, sich der Aufgabe zu stellen, sie zu akzeptieren und auch zu einem individuellen Ergebnis zu kommen.
3.3. Rollenspiele
Die Kinder finden im Gruppenraum einen Bereich für Rollenspiele vor, wo sie ihren erlebten Alltag nachspielen können (Puppenecke; Arztpraxis, Verkleidungskiste), um ihn zu verarbeiten und zu verstehen.
3.4. Regelspiele
Angeleitete- und Regelspiele finden im Gruppenalltag in Einzelsituationen und in
Kleingruppen statt. Hier werden besonders die Konzentration, die Ausdauer, das Regelverständnis, der kognitive und der soziale Bereich gefördert. Bestimmte Spiele werden gezielt eingesetzt um die Entwicklung zu fördern und auch gezielte Impulse zu geben, um Schwächen und Unsicherheiten entgegenzuwirken und den Lernprozess in Gang zu setzen. Dieses geschieht auf spielerische Art und Weise und wirdden Kindern nicht als Lernsituation bewusst.
3.5. Konstruktionsspiele
Die Bauecke mit den verschiedenen Konstruktionsmaterialien wie z. B. Bausteinen Duplosteinen, Legosteinen, Holzeisenbahn, Lege- und Steckspielen und Naturmaterialien uvm. geben den Kindern die Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken. Weiterhin lernen die Kinder das Ursache-Wirkung Prinzip zu verstehen und trainieren das räumliche Denken.
3.6. Spielmöglichkeiten im Nebenraum
Der Nebenraum wird immer wieder unterschiedlich gestaltet und orientiert sich anden Bedürfnissen der Kinder. Hier können die Kinder sich allein oder in Kleingruppen zum Spiel zurückziehen, wobei sie auch mal unbeobachtet sind. In der Mittagszeit wird der Raum zum Ausruhen genutzt. Die Sprachtherapeutinnen und Motopädinnen führen an einigen Vormittagen dort ihre Angebote durch.
3.7. Das gezielte Angebot
Die gezielten Angebote richten sich nach dem jeweiligen Entwicklungsstand, demInteresse und den Bedürfnissen der Kinder. Es werden unterschiedliche Themen erarbeitet. In diesem Rahmen werden neue Lieder und Fingerspiele eingeführt, Rollenspiele entwickelt, Bilderbuchbetrachtungen angeboten, Gespräche zu unterschiedlichsten Themen mit den Kindern geführt, Bastelarbeiten durchgeführt. Geburtstagsfeiern der Kinder, Gruppen- und Raumgestaltung angeboten, Ausflüge und Erkundigungen gemacht und noch vieles mehr. Dadurch erfahren die Kinder Themen in ihrer Ganzheit und können diese Anregungen für ihr freies Tun aufgreifen. In viele Angebote fließt die Förderung der Sinne mit ein, wie z. B. der Tastsinn beim Kneten und Ertasten von Gegenständen, der Gleichgewichtssinn beim Balancieren und der tiefensensible Sinn beim Massieren oder Trampolinspringen.
So erlernen die Kinder aktiv ihre Umwelt zu „be - greifen“!
Die Kinder verbessern ihre Fein- und Grobmotorik, lernen ihre Kräfte z. B. beim Malen gezielt einzusetzen und ihre Auge-Hand Koordination zu schulen. Die Ausdauer, die Konzentration, der Erlebnisspielraum, die Handlungsplanung und das Selbstbewusstsein werden dadurch verbessert.
3.8. Tagesablauf

Der Tagesablauf verändert sich, sobald es die Situation erfordert, weil die Bedürfnisse der Kinder im Vordergrund stehen
3.9. Angebote im Wochenablauf
3.9.1. Das Vorschulprojekt
Regelmäßig finden Angebote für die Vorschulkinder statt, wobei es nicht um das Erlernen von Kulturtechniken geht. Es werden Projekte und Themen ganzheitlich erarbeitet. Die Handlungsplanung und die Handlungskompetenz der Kinder werden aufgebaut und erweitert. Alle „Wackelzahnkinder“ nehmen am Waldlauf teil.
Im letzten Jahr vor Eintritt in die Schule haben wir ein besonderes Programm für die Vorschulkinder. Es findet einmal täglich ein Angebot in Form eines Arbeitsblattes, eines Bastelangebotes, eines besonderen Spieles, einer didaktischen Arbeit, eines Lernspiels am Computer oder einer anderen Aufgabe in der Gruppe statt.
Nach den Herbstferien trifft sich die Wackelzahngruppe zusätzlich einmal in der Woche. Folgende Angebote werden im Rahmen der Vorschularbeit gruppenübergreifend durchgeführt: Waldprojekt, Hören-Lauschen-Lernen (Würzburger Trainingsprogramm zum Erwerb der Schriftsprache), Verkehrserziehung und kennenlernen verschiedener
Institutionen.
- Das Würzburger Programm „ Hören – Lauschen – Lernen“
Das Gruppentraining nach dem Arbeitsbuch: Hören, lauschen, lernen besteht aus sechs Übungseinheiten, die inhaltlich aufeinander aufgebaut sind und wird über einen Zeitraum von 20 Wochen durchgeführt. Das Programm ist mit vielen Bildern, Bewegungs- und Singspielen sehr spielerisch gestaltet und will den Kindern nicht nur Einblick in die Welt der Laute, sondern auch Freude im Umgang mit Sprache vermitteln.
Es umfasst die Förderung von Sprache und Gehör. Eine bewusste Beschäftigung mit der Struktur und Form von Sprache (ein Satz besteht aus mehreren Wörtern, Wörter können unterschiedlich lang sein, jedes Wort besteht aus einem oder mehreren Lauten, manche Worte haben gleiche Laute in sich).
Ziel dieses Programms ist es, die Sprache bewusster zu machen. Diese Förderung im Vorschulalter lässt deutliche Vorteile beim Lesen- und Schreibenlernen erkennen.
- Verkehrserziehung:
Im Rahmen der Verkehrserziehung lernen die Kinder wichtige Verhaltensweisen imStraßenverkehr. Sie üben das Verhalten wie Überquerung der Strasse, lernen Verkehrsschilderkennen, fahren mit dem Fahrrad über einen aufgemalten Verkehrsparcour,besuchen die Polizei usw.
3.9.2. Das Waldprojekt
Jede Gruppe geht an einem festgelegten Tag in den Wald. Das Waldprojekt ist für die gesamte kindliche Entwicklung von Bedeutung und ermöglicht förderliche Erfahrungen.
Ziele des Waldprojekts :
Kennen lernen des Lebensraumes „ Wald“
Wahrnehmen von Naturphänomenen in wechselnden Jahreszeiten und unter
verschiedenen Witterungsbedingungen. Mit allen Sinnen ganzheitliche individuelle Erfahrungen sammeln und in den eigenen Erfahrungsraum integrieren.Die Sensibilisierung der Sinne für die Natur ermöglicht einen verantwortungs- volleren und bewussteren Umgang mit der Natur. Förderung der motorischen Fähigkeiten durch die vielen Bewegungsmöglichkeiten,die im Wald vorzufinden sind. Förderung der Kreativität und der Phantasie durch Aktivität ohne vorgefertigtes Spielmaterial, dies wirkt der passiven Konsumhaltung entgegen. Aufbau und Entwicklung von Handlungsplanung und Handlungsdurchführung eine jeden einzelnen. Schaffung von individuellen Freiräumen, die in geschlossenen Gebäuden oft nicht möglich sind. Förderung des Sozialverhaltens und des Gemeinschaftssinnes. Durch die veränderte Umgebung sind andere bzw. neue Verhaltensweisen und Kooperationen untereinander möglich. Die Kinder können eine andere Rolle ausprobieren oder einnehmen.
4. Therapeutische Angebote
4.1. Therapien im Tagesablauf
Die behinderten Kinder werden je nach Förderbedarf und Zielsetzung der Therapien vorwiegend außerhalb der Gruppen betreut. Es wird ein Plan erstellt, in dem die Therapien der Kinder eingeteilt sind, dieser wird täglich abgesprochen, um Besonderheiten in Tagesablauf zu berücksichtigen. Ziel ist es, möglichst viele therapeutische Inhalte in das Gruppengeschehen zu integrieren. Aufgrund der Diagnose und der vielfältigen Beobachtungen von Seiten des gesamten Teams, werden Fördermöglichkeiten und therapeutische Ansätze entwickelt und immer wieder neu überprüft.
Die therapeutischen Angebote finden vorwiegend in einer entsprechend gestalteten Umgebung - (Therapieraum, Gruppennebenräume, Turnraum) statt. Lebenspraktische Übungen wie Essen, Körperpflege, An- und Ausziehen erfolgen im Gruppengeschehen.
4.2. Konzeption der Psychomotorik und Motopädie
Kinder mit besonderem Förderbedarf erhalten je nach Notwendigkeit 2-3-mal in der Woche motopädische Förderung. Diese finden sowohl in Einzelsituationen als auch in Kleingruppen mit maximal vier Kindern statt. Anhand von Beobachtungen werden individuelle Förderpläne erstellt, die in den motopädischen Einheiten umgesetzt werden. Folgende Punkte können Inhalt einer Stunde sein:

Diese Pyramide ist gleichzeitig Grundlage der Persönlichkeitsentwicklung. Um das Kind in seiner Person positiv zu unterstützen, liegt unser Schwerpunkt in der Förderung der Basissinne (Tiefensensibilität, Gleichgewicht, Tastempfinden). Durch gezieltes Erleben dieser Bereiche, erweitert das Kind seine motorischen- und kognitiven Fähigkeiten und kann sich intensiver mit sich und seiner individuellen Umwelt auseinandersetzen.
Die Umwelterfahrungen nimmt jeder Mensch völlig individuell wahr. Kinder deren Wahrnehmungsverarbeitung, -weiterleitung und -speicherung beeinträchtigt sind, benötigen intensivere Reize, um sich mit ihrer Umwelt auseinander setzen zu können. Diese intensive Wahrnehmungsförderung (sensorische Integration ) findet in einer Einzelförderung statt, damit sich das Kind auf sich und sein Tun konzentrieren kann und nicht durch äußere Faktoren abgelenkt wird.
Wer möchte nicht mal aus der „Haut fahren“ oder man kann „jemanden nicht riechen“! Alle Sinnesorgane sind von Bedeutung. Wir lernen mit „Sinn und Verstand“.
Alle Kinder wollen lernen, sie wollen sich erfahren und sich weiterentwickeln. Unsere Förderung setzt an den Fähigkeiten des Kindes an und neue Impulse und Ideen werden eingebracht. Jedes Kind bringt die unterschiedlichsten Erfahrungen und Fähigkeiten mit. In psychomotorischen Angeboten können die Kinder von und miteinander lernen. Jedem Mensch fällt es leichter, wenn er durch Spaß, Freude und eigenes Erleben sich und seine zu Umwelt begreifen lernt. Kinder lernen im Spiel, deswegen werden die Bewegungslandschaft oder die Materialien in ein altersgerechtes Spiel eingebunden.
Die Möglichkeit besteht für alle Kinder dienstags von 14:00 – 15:30 Uhr (Bitte in die ausgehängte Liste eintragen)
Für die Rasselbande (mittwochs nachmittags) bekommen die Kinder eine Einladung, dieses Angebot verläuft über das gesamte Kindergartenjahr und ist ein gruppenübergreifendes Angebot.
4.3. Konzeption der Sprachtherapie
Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich schnell. Das ist völlig normal und in Ordnung. Fast alle Entwicklungsverzögerungen und Behinderungen wirken sich auf die Sprache und auf das Sprechvermögen der Kinder aus. Der Grund liegt in der engen Verbindung zwischen Bewegung, Wahrnehmung und Sprache. Alle entwicklungsverzögerten und behinderten Kinder erhalten sprachtherapeutische Förderung. Die Therapieeinheiten finden je nach Bedarf und Belastbarkeit des einzelnen Kindes mehrmals in der Woche statt. Die Dauer der Einheiten liegt zwischen 30 und 40 Minuten. Die Schwerpunkte der Therapie ergeben sich aus dem Entwicklungsdefizit der einzelnen Kinder, Ansatzpunkte der Therapie ergeben sich aus den Stärken der Kinder.
Die Sprachtherapie wird ganzheitlich durchgeführt. Körper, Geist und Seele, das soziale Umfeld und die momentane Befindlichkeit werden in jeder Einheit berücksichtigt. Das Kind soll sich angenommen fühlen. Eine frühzeitige Sprachförderung ist sehr wichtig, da die vier ersten Lebensjahre maßgeblich für die Sprachentwicklung sind. Grundlagen für eine adäquate Sprachentwicklung sind Förderung und Entwicklung der Basissinne. Es gilt also, dem Kind auch im Sprachbereich eine Musterbildung zu ermöglichen, damit es in neuen Situationen sprachlich angemessen reagieren kann. Lernt ein Kind z. B. den Begriff „heiß“ muss es zuerst „heiße“ Erfahrungen gemacht haben (Kerze, Ofen, Heizung, Getränk). Aus diesen Basisinformationen entwickelt sich dann der abstrakte Begriff „heiß“.

4.4. Sprachtherapeutische Projekte
In unregelmäßigen Zeitabständen auf das Kindergartenjahr verteilt, findet einmal in der Woche ein gruppenübergreifendes Projekt zur Förderung der auditiven Wahrnehmung statt, an dem im Verlauf des Kindergartenjahres einige Kinder der Einrichtung teilnehmen.
Das Projekt „Rund ums Ohr“ soll den Kindern die Welt der Geräusche näher bringen. Bei der gezielten auditiven Förderung geht es um folgende Inhalte:
Differenziertes Hören (Förderung der Konzentrationsfähigkeit)
Erkennen und Benennen von unterschiedlichen Geräuschquellen
Eindrücke vom Gehörten umsetzen und wiedergeben
4.5. Krankengymnastik
Die Krankengymnastik wird von einer Physiotherapeutin einer ortsansässigen Praxis durchgeführt. Der behandelnde Arzt verordnet Physiotherapie und stellt ein Rezept aus. Die Therapeutin führt die Behandlung auf neurophysiologischer Grundlage in der Kindertagesstätte durch.
4.6. Indirekte kindbezogene Leistungen der Therapeuten
An Hand der Diagnose und der Beobachtungen jedes einzelnen Kindes mit anerkanntem Förderbedarf werden Grobziele und Teilziele festgelegt. Regelmäßig werden Entwicklungsberichte geschrieben, die Grundlage für die weitere Förderung, für weitere Maßnahmen, für Elterngespräche und für die Empfehlung bei der Einschulung sind. Bei Bedarf finden Gespräche mit anderen Institutionen statt, wie z. B. Erziehungsberatungsstellen, Frühförderstellen, Arztpraxen usw.
5. Teamarbeit
Wir arbeiten in einem interdisziplinären Team, das sich aus pädagogischen Fachkräften, Sprachtherapeuten, Krankengymnasten, Motopäden und Heilpädagogen zusammensetzt.
5.1. Allgemeine Teambesprechung
Einmal wöchentlich findet eine allgemeine Teambesprechung statt, an der alle Mitarbeiter, die im pädagogischen und therapeutischen Bereich beschäftigt sind, teilnehmen. Es wird über themenbezogene pädagogische Arbeit und organisatorische Dinge gesprochen. Weiterhin werden Elternaktionen, Feste, Öffentlichkeitsarbeit usw. geplant und organisiert.
5.2. Pädagogisch-Therapeutische Teambesprechung
Einmal wöchentlich wird je Gruppe eine Kleinteambesprechung durchgeführt, an der die pädagogischen Mitarbeiter und die für die Gruppe zuständigen Therapeuten teilnehmen. Schwerpunkt dieser Teambesprechung ist das einzelne Kind. Es wird über den momentanen Entwicklungsstand, über Verhaltensweisen in der Gruppe, in der Therapie und über die daraus resultierenden pädagogischen und therapeutischen Maßnahmen gesprochen. Bei Bedarf stehen auch andere Themen an, die für eine förderliche Arbeit in der Gruppe besprochen werden müssen. Es werden Problemfälle aufgezeigt und von allen Seiten beleuchtet, um neue Sichtweisen zu ermöglichen und Entwicklungen in Gang zu bringen.
5.3. Gruppenbesprechungen
Einmal wöchentlich findet auf Gruppenebene eine Besprechung über die inhaltliche Gruppenarbeit statt.
5.4. Besprechung im Therapeutenteam
Einmal wöchentlich treffen sich die Therapeuten, um über ihre Arbeit zu reflektieren, die gemeinsam betreuten Kinder zu besprechen und um therapeutische gruppenübergreifende Projekte zu planen.
6. Elternarbeit
6.1. Elterngespräche
Das „Tür- und Angelgespräch": Viele Eltern nutzen die Bring- und Abholzeiten für ein Kurzgespräch, um etwas über ihre Kinder zu berichten oder zu erfahren. Es finden immer wieder telefonische Kontakte statt, dies wird vor allem von den Eltern genutzt, deren Kinder mit dem Taxi zur Tagesstätte gebracht werden. Ausführliche Gespräche, die von den Eltern oder den Mitarbeitern gewünscht werden, finden nach vorheriger Terminabsprache statt.
Es werden den Eltern regelmäßig Gespräche angeboten, um sie über die Entwicklung ihrer Kinder zu informieren und ihnen Möglichkeiten aufzuzeigen, wie sie die Förderung im häuslichen Bereich weiterführen können. Schwerpunkt vieler Gespräche ist die Akzeptanz und der Umgang mit der Behinderung.
6.2. Einbeziehung der Eltern in den Tagesablauf/Hospitationen
Eltern haben die Möglichkeit, nach Absprache mit den Mitarbeitern in der Kindertagesstätte zu hospitieren.
6.3. Elternabende/Elternnachmittage
In unregelmäßigen Abständen finden Elternabende bzw. Elternnachmittage statt. Angeboten werden Informationsabende, Veranstaltungen zu fachbezogenen Themen, die von den Mitarbeitern vorbereitet werden oder zu denen ein Referent eingeladen wird.
6.4. Feste und Feiern
Im Laufe des Kindergartenjahres werden Feste und Feiern organisiert. Das gemeinschaftliche Erlebnis von Kindern, Eltern und Kindertagesstätten-Team steht im Mittelpunkt. Auch der Kontakt zwischen Eltern kann so gepflegt werden.
6.5. Elternmitwirkung in Gremien
Eltern haben die Möglichkeit, sich aktiv an der Arbeit in der Kindertagesstätte zu beteiligen. Dies geschieht durch Mitwirkung im Elternrat und im Rat der Einrichtung und anderen Projekten.
Die Integrative und Heilpädagogische Kindertagesstätte hat einen Förderverein, der von den Eltern gegründet wurde.
6.6. Förderverein
Der Verein der Freunde und Förderer der Integrativen Kindertagesstätte Waldblick hat sich im Jahr 2005 gegründet und unterstützt die Kindertagesstätte. eine Mitgliedschaft ist freiwillig. Wir freuen uns über neue Mitglieder und eine aktive Mitarbeit. Beitrittserklärungen sind im Büro der Kindertagesstätte zu erhalten
7. Schlusswort
In der vorliegenden Konzeption sind wir ausführlich auf die pädagogische und therapeutische Tätigkeit eingegangen. Sie dient uns als Leitfaden, an dem wir uns orientieren und uns weiterentwickeln. Die Konzeption soll unsere Arbeit für Eltern, für neue Mitarbeiter und für andere Institutionen transparent machen. Integration ist für uns nicht nur ein Schlagwort, sondern ein Prozess des Miteinanders, der nur dann mit Leben gefüllt werden kann, wenn sich alle aktiv daran beteiligen.
Juli 2008